Chronik

Altes Bootshaus Kanuten Zeltlager am Edersee vor 70 Jahren

Der Paddelklub Niedersachsen e. V. (PKN) gehört zu den ältesten niedersächsischen und zu den wenigen hannoverschen Kanuvereinen, die auf eine Geschichte bis in die 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts zurückblicken können.

Der Verein wurde im November 1933 zwischen der “Flussbadeanstalt” Hannover-Wülfel und dem Naturschutzgebiet “An der Lust” (Maschwiesen) gegründet. Damals waren es acht Kanuten, die den Verein aus der Taufe hoben:

Dora und Rudi Wehrhahn, Karl Dressel, Ela Voigt, Karl Eylers, August Quernheim, sowie Hilde und Hugo Polland.

Die herrliche Lage und entspannte Atmosphäre sorgte schnell dafür, dass sich immer mehr Menschen für den Verein interessierten und die Mitgliederzahl stetig wuchs. Kurze Zeit später entstand in Gemeinschaftsarbeit das erste Bootshaus: ein dem Gelände angepasster Holzbau.

Die friedlichen Anfangsjahre beim PKN währten jedoch nicht lange. Schon sechs Jahre nach der Gründung trugen die Nationalsozialisten den fürchterlichsten Krieg aller Zeiten hinaus in die Welt. Und die wehrte sich heftig. Am 27. September 1943 wurde Hannover einmal mehr schwer bombardiert, und bei diesem Angriff wurde das Bootshaus durch eine Brandbombe getroffen und brannte ab.

Doch die Kanuten des PKN ließen sich nicht unterkriegen. Kurz nach Kriegsende wurde auf einer Mitgliederversammlung (die aus Platzmangel in einer Umkleidekabine der Badeanstalt Wülfel stattfand) der Grundstein für einen Neuanfang gelegt: Vereinskamerad Heinz Meine gab dem Paddelklub Niedersachsen nach der Währungsreform ein großzügiges Darlehen, mit dem der Neubau des Bootshauses eingeleitet werden konnte. Am 2. Juni 1951 wurde das neue Gebäude dann durch den legendären hannoverschen Oberstadtdirektor Karl Wiechert eingeweiht.

In den folgenden Jahren boomte der Kanurennsport und die Mitgliederzahlen stiegen. Das Gebäude reichte nun nicht mehr aus – ein Anbau musste her. So entstanden neue Toiletten, Duschanlagen und eine Hausmeisterwohnung.

Entspannte Jahre folgten mit gemeinsamen Fahrten nach Österreich, Frankreich, Schweden, Dänemark und Norwegen. Für die Jugend wurden Fahrten auf dem Wasserwege bis in die holsteinische Seenplatte durchgeführt.

Dann schloss die Stadt Hannover die Badeanstalt Wülfel und verpachtete dem PKN einen Teil des Geländes. Die alten Gebäude der Badeanstalt wurden abgerissen und wichen einem neuen Bootsschuppen, einer Werkstatt zum Bootsbau, Abstellräumen und einer Küche für die PKN-Mitglieder. Seither dürfen bis heute Teile dieses Geländes als Zeltwiese genutzt werden.

Das veränderte Freizeitverhalten der Deutschen seit den 80er-Jahren bescherte dem PKN – wie vielen anderen Sportvereinen auch – sinkende Mitgliederzahlen und sehr viel Kopfzerbrechen. Die Altersstruktur veränderte sich nämlich dramatisch – junge Leute wurden zu älteren Leuten, doch Nachwuchs fehlte schlicht. Die gesellschaftliche Entwicklung kann der PKN alleine natürlich nicht umkehren – doch wie ist das gemeinsam mit anderen?

Die im Jahr 2004 erstmals vor diesem Hintergrund vom damaligen Wanderwart Frank Meister aus der Taufe gehobene Fahrt “Rund um Hannover” gehört mittlerweile zu den Highlight-Veranstaltungen des Deutschen Kanu-Verbands in Niedersachsen. Mitveranstalter sind hier drei befreundeten Kanusportvereine, nämlich der Hannoverscher Kanu-Club, der Kanu-Sport-Club Hannover und der Paddel-Klub Hannover.

Ein einziges jährliches Highlight reicht jedoch nicht aus, um junge Menschen für den Kanusport zu begeistern. Darum finden für Vereinsmitglieder verstärkt organisierte Gemeinschaftsfahrten statt, egal ob es um eine entspannte Wanderfahrt durch die Leineaue oder eine zünftige Wildwassertour in Österreich, Slowenien, Frankreich, Schweden oder Norwegen geht. Es ist für jedermann etwas dabei.

Im Jahr 2004 erhielt der PKN erstmals einen professionellen Internetauftritt, der optisch und technisch unverändert sechs Jahre Bestand haben sollte. Doch die Evolution des Internets ist unfassbar schnell. Was heute noch modern ist, ist morgen schon Steinzeit-Technologie. Darum wurde im Februar 2010 sowohl die Technik als auch die Optik der Website runderneuert. In diesem Jahr wagte sich der ehrwürdige Paddel-Klub Niedersachsen auch ins noch unvertraute Web 2.0 hinaus. Twitter und Flickr lassen grüßen.

Der PKN ist wieder wachgeküsst und kann sich steigender Mitgliederzahlen erfreuen.

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